Ein Blickwechsel auf die Darstellung von Menschen mit geistiger Behinderung sowie deren Teilhabe in der medialen Berichterstattung und in der Öffentlichkeit ist notwendig und möglich – so das Fazit der Tagung "Vor aller Augen (un)sichtbar - Geistige Behinderung und Öffentlichkeit" am 24. Februar 2012 in Berlin. Mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten bei Vorträgen, Workshops und einer Podiumsdiskussion mit Wissenschaftlern, Praxisexperten und Medienvertretern im Kleisthaus Berlin.
Ausgehend von dieser Veranstaltung werden die Initiatoren Special Olympics Deutschland (SOD) und das Berliner Institut für christliche Ethik und Politik (ICEP) am 1. März 2012 den „Berliner Appell“ veröffentlichen. Darin werden, ausgehend von der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung, ein Blickwechsel in der Berichterstattung und eine „Freie Sicht“ für Menschen mit geistiger Behinderung gefordert.
Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, griff in seinem Grußwort das Thema der Tagung auf: „Menschen mit geistiger Behinderung sind dank vieler Initiativen wie jene der ‚Aktion Mensch‘ in der Gesellschaft nicht mehr unsichtbar. Dennoch ist es nach wie vor eine große Hürde im Umgang miteinander, dass viele Menschen nicht gelernt haben, mit Menschen mit Behinderung umzugehen.“ Dies zu verändern sei ebenso ein Medienthema wie der Umgang mit Leichter Sprache – einem vieldiskutierten Thema im Verlauf der Tagung.
„Mit dieser Veranstaltung konnten wir hoffentlich einen ersten Impuls für mehr öffentliche Sichtbarkeit von Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung setzen“, so Prof. Dr. Axel Bohmeyer, Geschäftsführer ICEP, einer der Initiatoren der Tagung. Denn wer in Politik, Medien und kommunalen Behörden nicht gesehen werde, der sei von rechtlicher und sozialer Anerkennung ausgeschlossen. Das sei sozialethisch hochproblematisch und müsse sich ändern, so Bohmeyer weiter.
„Es ist heute deutlich geworden, wie viel sich in den letzten Jahren in der Wahrnehmung und Darstellung von Menschen mit geistiger Behinderung in der Öffentlichkeit bereits zum Positiven verändert hat – und welch‘ ein großer Berg Arbeit noch vor uns liegt, um das große Ziel Inklusion zu erreichen“, resümierte Dr. Bernd Conrads, 1. Vizepräsident von Special Olympics Deutschland. „Politik, Medien, soziale Träger und wir als Sportorganisation für Menschen mit geistiger Behinderung – wir alle haben die Pflicht, noch mehr als bisher zur Bewusstseinsbildung für die Stärkung der Rechte von Menschen mit Behinderung beizutragen.“
„Ich habe mich gefreut, dass ich hier im Namen der Athletinnen und Athleten dabei sein und mit diskutieren konnte“, so SOD-Athletensprecher Roman Eichler. Und Carina Kühne, eine in Medienkreisen bekannte Bloggerin, die sich sehr aktiv in die Diskussionen einbrachte: „Wir Menschen mit Downsyndrom leiden nicht unter unserer Behinderung, sondern unter der Ablehnung durch andere Menschen.“
Die Tagungsteilnehmer nutzten ausgiebig die Möglichkeiten der Diskussion, so dass ein lebhafter Austausch und das Kennenlernen unterschiedlicher Erfahrungen und Positionen stattfanden.
Die beiden Impulsreferate, gehalten von Dr. Bernhard Conrads: „Die UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung und Bewusstseinsbildung“ und von Martin Georgi, Vorstand der Aktion Mensch: „Vom Sorgenkind zum gleichberechtigten Akteur – Neue Bilder und neues Handeln“ fanden große Resonanz.
In vier Foren - "Blickfeldern" - diskutierten die Teilnehmer das Thema in den Fachgebieten Politik und Recht (Leitung: Dr. Harry Fuchs), Wirtschaft und Arbeit (Franz Allert), Sport (Martin Zimmermann, Impuls: Ralf Kuckuck) sowie Wissenschaft und Kultur (Dr. Ingo Bosse).
Die abschließende Podiumsdiskussion widmete sich der Wandlung der Darstellung von Menschen mit geistiger Behinderung in den Medien. Prof. Dr. Markus Dederich (Universität Köln), Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt, der Sportchef des Bayerischen Rundfunks, Werner Rabe, Bloggerin Carina Kühne, Prof. Dr. Jeanne Nicklas-Faust, Bundesgeschäftsführerin der Lebenshilfe, sowie SOD-Athletensprecher Roman Eichler diskutierten mit den Teilnehmern.
„Für Special Olympics Deutschland war die Ausrichtung einer solchen komplexen Tagung eine erfolgreiche Premiere“, so SOD-Vizepräsidentin Brigitte Lehnert. „Die positive Resonanz, die Diskussionen, die Anregungen und Ergebnisse der Tagung geben uns, unserem Partner ICEP und den Tagungsteilnehmern Impulse für die weitere Arbeit. Die Tagung hat gezeigt, wie wichtig es ist, das Thema Inklusion aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, um in der medialen Teilhabe, Präsenz und Darstellung von Menschen mit geistiger Behinderung weiter voranzukommen.“
Programm und Ablauf der Tagung
Presseinformation vom 21.02.2012
Presseinformation vom 31.01.2012
Die Tagung wurde aktuell auf der Facebook-Seite von Special Olympics Deutschland begleitet






