Bowling-Team Chemnitz
Strahlende Augen sind das wertvollste Dankeschön

- Daniel Krahmer (2. v. r.) leitet im Vita-Bowling-Center das Training der Chemnitzer Viktor Gildmann, Martina Bothe, Katrin Ullrich, Tommi Mancebo-Marin und Daniel Beckert (von links). Foto: Andreas Seidel
In der in Chemnitz erscheinenden Tageszeitung "Freie Presse" vom 15.04.2009 stellt Sportredakteurin Martina Martin das Chemnitzer Special Olympics Bowling Team vor:
Chemnitz. Tommi Mancebo-Marin ist nach der Schwimmtraining gerade ein bisschen geschafft. Doch als die Sprache auf das Bowling spielen kommt, fängt er sofort an zu strahlen, vergisst die Anstrengung.. "Ja mit 160 war ich der Beste. Im Wettkampf will ich noch stärker sein und versuchen, zu gewinnen", erzählt der 20-Jährige aufgekratzt. Die Vorfreude auf das bevorstehende Ereignis möchte der geistig behinderte junge Mann gar nicht verbergen. Im Chemnitzer Team startet er am Sonnabend beim bundesoffenen Special Olympics Sachsen Bowl.
Wie im Vorjahr findet dieses Turnier auf der Anlage im Vita-Center statt. Ob der Heimvorteil etwas bringt, können die Gastgeber natürlich schwer einschätzen. Doch die Bahnen sind ihnen vertraut, weil sie unter Anleitung von Daniel Krahmer, dem Chef der Anlage und 2. Vorsitzenden der Flying Bowlers, schon mehrfach dort trainieren durften. "Die Unterstützung von ihm, dem Center und dem Verein, der uns auch die gesamte Ausrüstung zur Verfügung stellt, ist einfach super", berichtet Kerstin Stopp, die als Leiterin des ausrichtenden Vereins zur Förderung von Integration durch Sport die organisatorischen Fäden in der Hand hält. Auch ist die Lehrerin an der Janusz-Korczak-Förderschule froh, dass ihr wiederum die Chemnitzer Sparkasse als Partner zur Seite steht.
Insgesamt haben 16 Mannschaften vor allem aus Bayern, Berlin, Thüringen und Sachsen mit 110 Aktiven gemeldet. So groß war das Teilnehmerfeld noch nie. Zu den Startern gehören auch die vier deutschen Teilnehmer an den Weltspielen 2007 in Shanghai. "Die erfolgreichsten Bowler Deutschlands sind dabei, die Veranstaltung wird auch sportlich eine sehr hohe Qualität haben", schätzt Holger Bayn, Vorstandsvorsitzender der Special Olympics Sachsen, ein. Dass es hinsichtlich des Ablaufes erneut bestens klappt, davon geht der Dresdner sowieso aus. "Wir haben den Wettkampf wieder ganz bewusst nach Chemnitz vergeben. Dort ist ein großes Engagement zu spüren, die Rahmenbedingungen sind immer sehr gut", begründet er. Auch deshalb wird das Turnier verstärkt angenommen, wobei unter den Behinderten die Resonanz für das Bowling spielen generell wächst.
Übrigens, strahlende Augen ihrer Schützlinge empfindet Kerstin Stopp, der seit nunmehr 31 Jahren der Sport für Behinderte eine Herzensangelegenheit ist, als die wertvollste Anerkennung ihres ehrenamtlichen Wirkens. "Wenn man in die Gesichtszüge sieht, wie sie sich freuen können, dann ist das für mich extrem tiefgründig und nachhaltig", meint die Chemnitzerin, die zudem aus jahrelanger Erfahrung nur zu gut weiß: "Auch Kindern mit einer Behinderung muss man etwas zutrauen. Und gerade über die Bewegung ist viel mehr möglich. Sie werden fitter, belastbarer und selbstbewusster."
Tommi Mancebo-Marin, den sie seit nunmehr acht Jahren kennt und sportlich betreut, ist für sie dafür das beste Beispiel. "Früher wurde ihm nichts abgefordert, er war ein unmögliches und unglückliches Kind", erinnert sich Kerstin Stopp. Inzwischen gehört er in der Schwimm-Mannschaft zu den besten und gewann schon Medaillen bei den nationalen Special Olympics. Nunmehr hat er ebenso im Bowling ein sehr hohes Niveau erreicht. Deshalb gönnt sie ihm ein weiteres Erfolgserlebnis auch am Sonnabend. Und 160 Punkte erreicht bekanntlich selbst ein Hobby-Bowler ohne Handicap nicht ohne weiteres.
Martina Martin
Quelle: Freie Presse- 15.04.2009



